Training

Unser Training beginnt schon bei den sehr jungen Hunden.
Das heißt für Silvia, meine Frau, spazieren zu gehen und spielerisch die Welpen auf spätere Aufgaben vorzubereiten.
Jetzt achten wir schon auf den Muskelaufbau, wichtig dafür ist auch die richtige Fütterung.
Im Winter legen wir einen kurzen Trail für die Puppies an und lassen sie am Snowmobil frei laufen.
Also schaffen wir baldmöglichst ein positives Bild von den Dingen, die wir dann später von ihnen erwarten.
Diese, von uns hoch gesteckten Erwartungen, sollen die Hunde ja nicht als Belastung empfinden, sondern als Belohnung.
So versuchen wir unseren jungen Hunden einen Vorsprung zu vermitteln, den sie dann später in herausragende Leistungen umsetzen können.
Das Vertrauen das die Hunde in diesem Lebensabschnitt zu uns aufbauen, ist die allerwichtigste Voraussetzung dafür, Rennen gewinnen zu können und diese Motivation auch über eine lange Zeit zu halten.

Ich trainiere, nachdem ich einiges an Trainingswagen aufgebraucht habe, am liebsten mit einem Quad. Hier schätze ich vor allem die Kontrolle, die ich über mein Team habe. Die Hunde spüren sofort wenn ich hinten agiere und ich kann damit meine Kommandos am besten durchsetzen, hauptsächlich das Stehenbleiben. Auch die Einflussmöglichkeit von der Geschwindigkeit ist mit dem Quad am besten gegeben. Ich fahre fast immer ohne Motor und lasse die Hunde ziehen. Dafür brauche ich 8 bis 12 Hunde vorgespannt, die 2 Personen und 240 kg bewegen
Sehr wichtig ist am Anfang der Trainingssaison der Grundlagenaufbau für die Hunde. Hierbei sollte Wert darauf gelegt werden sie noch nicht so stark zu fordern, sondern mit Spaß und Freude die ersten Kilometer in Angriff zu nehmen.
Wir starten mit 4 km und behalten diese auch für ca. 1 Monat und etwa 17 Runs bei. Das Wetter ist gerade Anfang September ein wichtiges Kriterium für die Belastung, die ich wähle.
Wenn es wärmer ist und die Luftfeuchtigkeit hoch ist, lege ich ein bis zwei Pausen ein, um sie ausschnaufen zu lassen. Wenn es kalt ist, fahre ich die Strecke durch. Das mache ich dann auch so, wenn die Distanz länger wird.
Ich versuche auf mindestens 4 Trainingseinheiten pro Woche zu kommen.
Als nächstes habe ich eine Strecke über 6 km, die durch eine weiche Waldpassage führt.
Hier müssen die Hunde sehr stark ziehen. Hier sehe ich meist zum ersten Mal wer schon fitter ist und wer noch mehr Zeit braucht.
Nach dem schweren Stück fahre ich dann etwas schneller nach Hause mit ca. 25 km/h.
Diese Strecke fahre ich dann so lange bis ich sehe, dass die Hunde immer schneller laufen wollen und im Ziel nicht mehr angestrengt sind.

Jetzt erst fängt mein eigentliches Training an.
Die Hunde haben jetzt eine Grundlage auf der ich aufbauen kann.
Jetzt fahre ich dann Strecken zwischen 8 und 11 km Länge.

Jetzt komme ich zu meinem obersten Gebot beim Training. Jedes Training sollte vorher sein Ziel haben.
Dafür ist es notwendig zu sehen, was die Hunde als nächstes brauchen.
Das Training von Heute bedingt das Ziel von Morgen.

In dieser Phase des Trainings möchte ich
den Kraftaufbau fördern
die Ausdauer erhöhen
die Leader kommandosicher machen

Die Hunde sollen, wenn ich sie einspanne, nicht wissen was sie erwartet.
Das erhält die Motivation und regt ihr Interesse, es sollte keine zu große Routine aufkommen.
Ich bleibe manchmal stehen, wechsle die Geschwindigkeit, indem ich die Bremse mehr oder weniger löse, fahre unterschiedliche Strecken.
Die Leader wissen nie, wenn sie an eine Gabelung kommen, wo wir hinfahren, mein Kommando bestimmt die Richtung. Ich fahre manchmal wirklich jedes Mal anders und wenn es nur links herum ist.
Keine Angst vor Zwischenfällen wie

  • freien Hunden
  • Joggern
  • Autos
  • Verwicklungen

Alle Arten von Problemen sollten willkommen sein.
Viele werden jetzt sagen „Blödsinn“, wir sind froh wenn wir keine Probleme haben.
Ich kann das verstehen.
Diese Dinge stressen unter Umständen auch mich.

Aber man kann nur durch das Bewältigen von Problemen sicherer werden.
Die Hunde werden ebenfalls aus den Erfahrungen lernen und in Stresssituationen immer besser reagieren.

Also immer versuchen aus Fehlern zu lernen und beim nächsten Mal den Hunden ein positives Erlebnis vermitteln.
Viele Situationen verlieren dann an Dramatik und werden einfach abgehakt.
Die Hunde haben dann mehr Spaß und werden dann auch viel schneller laufen weil sie sich sicher fühlen.

Ich habe in den früheren Saisonen die Erfahrung gemacht, dass es den Hunden nicht gut tut, auf harten Wegen ohne Schnee weit zu laufen.
Das heißt für mich Rennen zwischen 27 km in Europa und 35-45 km in Alaska.

Deshalb fahre ich zuhause nur ein paar Mal 12oder 14 km nach Bedarf.
Das Schneetraining ist neben dem Grundlagentraining das wichtigste. Ich weiß, nicht jeder Musher hat die Möglichkeit ein ausgiebiges Schneetraining zu absolvieren. Aber die Belastung auf harten Wegen ist für die Hunde, besonders für den Bewegungsapparat, ungleich härter und ich denke, dass 10 Kilometer auf hartem Boden ca. 17 Schneekilometern entsprechen.

Man sollte auch im Training nie zu viel verlangen, die Hunde müssen alles gern machen. Wenn Motivationsverlust zu erkennen ist, muss man sich Gedanken machen, warum? Zu warm, zu lang, zu viel Stress im Zwinger, schlechtes Futter, Verletzung, ausgepowert? Es gibt für alles eine Erklärung und eine Lösung, wenn man den Fehler erkennt. Das ist es, was wir Musher lernen müssen um immer besser zu werden.
Nicht der Ehrgeiz des Mushers darf das Trainingsziel sein, sondern der Spaß der Hunde und sie auf ihre Aufgaben perfekt vorzubereiten.

Wichtig ist es sich Zeit zu nehmen, lieber 1 km weniger trainieren aber dafür die Hunde noch mal frei laufen lassen und gut überlegen was jeder Hund heute gezeigt hat. Das sollte man speichern und überlegen was man weiter daraus macht.

Man ist im Rennen nur so schnell wie der langsamste Hund. Es bringt nichts, die wenigen Superhunde im Team immer weiter zu forcieren, wenn einer oder zwei schon in den Seilen hängen. Diese Hunde muss man aufbauen und vorwärtsbringen, die besseren machen es dann immer. Wenn der Leistungsunterschied der Hunde zu groß ist, sollte man so ehrlich zu sich selber sein und erkennen dass ein Einzelner vielleicht nicht in das Team passt. Vielleicht braucht er auch nur Zeit sich in einem kleineren oder langsameren Team zu entwickeln. Für einen guten Hund gibt es immer einen sinnvollen Platz. Ein schlechter Rennhund ist eventuell ein Super-Privathund für einen Hobbysportler oder die Familie. Es gibt keinen schlechten Hund, man muss ihm nur die richtige Aufgabe stellen.

Falsches Zwingermanagement oder Stress im Zwinger sind auch oft Gründe für Leistungsmangel.

Fazit:

Sie sollten nie, bei allem was sie mit ihren Hunden machen, den Glanz und das Feuer in den Augen ihrer Freunde verlieren, weder im Training noch im Rennen. Nur wenn die Hunde happy sind geben sie alles und nur dann kann man ein harmonisches Team werden mit einem Lebensgefühl von dem alle Schlittenhundesportler träumen.

Share it!
  • Print
  • PDF
  • email
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • Live
  • MisterWong
  • MisterWong.DE
  • Ping.fm
  • RSS
  • Twitter
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yahoo! Buzz

Kommentieren

Events
  • Aktuell keine Events geplant